Erkenntnisse aus Umstellungen in der Müllabfuhr werden erneut im Herbst diskutiert

Graue Tonnen
Foto: Medienzentrum Landratsamt Miltenberg

In seiner Sitzung am Montag, 10. März, hat sich der Ausschuss für Natur- und Umweltschutz darauf geeinigt, die Erkenntnisse aus dem neuen vierwöchentlichen Abfuhrrhythmus der Restmülltonne im Herbst 2025 ausführlich zu diskutieren. Ein Jahr nach der Umstellung, die zum 1. Juli 2024 erfolgte, sollen belastbare Aussagen vorliegen, ob sich das neue Abfuhrintervall bewährt hat. Dann will die CSU-Fraktion entscheiden, ob sie einen Antrag, den sie am Montag vorerst zurückgezogen hat, erneut einbringen will.

Darin hatte die CSU unter anderem um die Überprüfung der Abfuhrintervalle und Szenarien für eine Reduktion auf einen Drei-Wochen-Rhythmus gebeten. Auch solle geprüft werden, ob ein saisonal angepasstes Abholmodell – etwa mit kürzeren Intervallen während der Sommermonate – eine sinnvolle Alternative darstellt. Die Verwaltung sollte darüber hinaus ein flexibles Entsorgungsmodell zur individuellen Anpassung der Abholhäufigkeit erarbeiten. Dieses solle es Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen, je nach Bedarf zusätzliche Leerungen zu buchen. Die CSU war nach einer Umfrage, an der rund 200 Bürgerinnen und Bürger teilgenommen hatten, zum Schluss gekommen, dass der vierwöchige Abholturnus auf große Ablehnung in der Bevölkerung stoße.

Den angeblich ablehnenden Eindruck konnte man aus den Ausführungen von Tim Bohle (kommunale Abfallwirtschaft) allerdings nicht herauslesen. Bohle legte vor der Diskussion über den CSU-Antrag Erkenntnisse aus dem ersten halben Jahr nach Inkrafttreten des neuen Abfuhrrhythmus vor. Demnach war die Restabfallmenge in 2024 um knapp 1.700 Tonnen gegenüber dem Vorjahr auf 20.832 Tonnen gesunken, erklärte er und wies auf einen deutlichen Anstieg des Verbrennungspreises ab dem Jahr 2025 im Gemeinschaftskraftwerk Schweinfurt hin. Zum Vergleich: 2022 waren es noch 22.783 Tonnen. Bis Ende Juni 2024 seien die Restmüllmengen deutlich gestiegen, ehe sie vom 1. Juli an drastisch sanken, so Bohle. Im Gegenzug seien fast 700 Tonnen Bioabfall mehr angefallen, deren Verwertung für den Landkreis deutlich günstiger sei als die Verbrennung von Restmüll. Bohle appellierte nochmals an die Bürgerinnen und Bürger, den Bioabfall nicht in Plastiktüten in die Tonne zu geben. Bei den restlichen Wertstoffen sei nur ein geringer Mengenanstieg erkennbar, die Menge der über den gelben Wertstoffsack gesammelten Leichtverpackungen sei um 200 Tonnen gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

Die Umstellung der Restmülltonnen und Biotonnen sei noch nicht abgeschlossen, sagte Bohle. Während die Zahl der 60-Liter-Restmüllgefäße im Jahr 2024 um 1.547 gesunken sei, habe die Zahl der 120-Liter-Tonnen um 297 zugenommen, die Zahl der 240-Liter-Gefäße um 2.050. Die Zahl der Biotonnen habe – jeweils zum Stichtag 1. Januar – von 24.133 im Jahr 2024 auf 25.722 zugenommen. Viele Bürgerinnen und Bürger hätten ihre Restmülltonnen behalten, jedoch eine Biotonne dazu genommen, erklärte er. Bei den Behälterzahlen sei auch zu berücksichtigen, dass der Kreistag sich dafür entschieden hatte, das Volumen der Pflegetonnen von kostenfreien 60 auf 120 Liter zu verdoppeln.

Der Mülltonnenänderungsdienst habe immer noch gut zu tun, verwies Bohle auf 6.600 Aufträge im Jahr 2024. Waren es vor dem 1. Juli 2024 noch rund 100 Aufträge pro Woche, seien es in Spitzenzeiten 100 Aufträge pro Tag gewesen. Die Tendenz seitdem sei aber abnehmend, aktuell liege man bei bis zu 40 Tonnen pro Tag.

Die Abfuhr selbst laufe nach Startschwierigkeiten des neuen Entsorgers RMG mittlerweile stabil. Das liege auch an einem festen Personalstamm, Leiharbeiter seien kaum im Einsatz. Größtes Problem sei am Anfang die Überfüllung von Müllgefäßen gewesen mit der Folge, dass diese nicht geleert werden konnten. Daher habe man gerade zu Beginn kulant und pragmatisch gehandelt. Überfüllungen würden dokumentiert, die Abfallberatung setze sich dann mit den jeweiligen Gebührenzahlern in Verbindung und berate diese, skizzierte Bohle die Vorgehensweise. In der Abfallwirtschaft steuere man ständig nach, um bei Problemen schneller reagieren zu können, versicherte er. Die AbfallApp MIL werde verstärkt genutzt, die Zahl der Nutzerinnen und Nutzer sei von 9.000 Mitte 2024 auf aktuell 13.000 gestiegen.

Bohle berichtete von vielen positiven Rückmeldungen zum neuen Abfuhrturnus, viele Prozesse – etwa die Umstellung der Behältergrößen – seien aber noch nicht abgeschlossen. Die Annahmen zur Entwicklung der Müllfraktionen scheinen sich aber zu bestätigen, stellte er fest. Vor allem der Rückgang der Restmüllmenge habe positive Auswirkungen: Zum einen brauche es weniger Transporte, zum anderen könne man den Anstieg der Verbrennungspreise in Teilen auffangen. Veränderungen des Müllstroms könnten nach nur einem halben Jahr noch nicht sicher prognostiziert werden. Die Verwaltung empfehle daher, einen kompletten Sommer abzuwarten, um sichere Erkenntnisse präsentieren zu können.

Bernd Schötterl, der den erkrankten Landrat Jens Marco Scherf vertrat, freute sich über die vielen positiven Rückmeldungen aus Reihen der Bürgerschaft und die Tatsache, dass die kommunale Abfallwirtschaft permanent daran arbeitet, noch besser zu werden. „Die Richtung stimmt“, steht für ihn fest.

In der anschließenden Diskussion meldete sich fast jedes Ausschussmitglied. Für die CSU begründete Gerhard Rüth den Antrag unter anderem auch mit Feststellungen, dass mehr Müll in der Flur abgelagert werde. Zudem sähen sich die Kommunen mit deutlich höheren Abfallmengen in den gemeindlichen Abfalleimern konfrontiert mit damit einhergehenden finanziellen Auswirkungen. Die Situation in den Kommunen fließe bereits jetzt in die Evaluierung ein, versicherte Tim Bohle. Kritik wurde von einigen Kreistagsmitgliedern auch an der Aussagekraft der nicht repräsentativen CSU-Umfrage von 200 Personen geübt, aber auch deren Bedenken müssten gehört werden, so andere Aussagen.

Dass Änderungen der Abfuhr nicht zum Nulltarif möglich sind, war im Gremium aber unstrittig. Aber, so fragte eine Kreisrätin: Warum sollen diejenigen, die mit ihren Müllmengen zurechtkommen, Zusatzkosten bei Menschen bezahlen, die mehr Müll produzieren? Ob etwaige Änderungen im Abfuhrturnus mit daraus resultierenden Mehrkosten laut EU-Vergaberecht überhaupt möglich sind, bezweifelte Kommunaljurist Oliver Feil, vor allem wenn diese „nicht nur geringfügig“ sind. Im Rahmen der Evaluation soll auch geprüft werden, ob die Aufstellung von Windelcontainern – wie in Sulzbach praktiziert – umsetzbar ist.

Am Ende war sich der Ausschuss einig, die Erkenntnisse nach einem Jahr des neuen Abfuhrrhythmus sowie die daraus zu ziehenden Schlussfolgerungen im Herbst 2025 nochmals zu diskutieren.

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